1956 08 12 GP Schweden

Auf der Erfolgsspur: Rennsport-Historisches von 1956

Kristianstad 1956

Der zweite – zumindest in historisch interessierten Motorsportkreisen – bekannte Ferrari-Werkseinsatz von Wolfgang Graf Berghe von Trips war der schwedische Grand Prix für Sportwagen am 12. August 1956 in Kristianstad.
Sieben Wochen zuvor, am 24. Juni, musste Trips als Neuverpflichtung von Enzo Ferrari auf sein Debüt für die Scuderia beim 1000-Kilometer-Rennen in Monza, dem „Supercortemaggiore“, verzichten, weil sein Co-Pilot, Harry Schell, in der Anfangsphase mit Motorschaden am 500 Mondial Scaglietti ausfiel.

Der schwedische Grand Prix, 5. und letzter Wertungslauf zur Sportwagen-Weltmeisterschaft 1956, ging über 153 Runden auf dem 6,537 km langen Råbelöv-Circuit („Råbelövsbanan“). Der Kurs war zum großen Teil eine temporäre Rennstrecke. Etwa die Hälfte des Kurses bestand aus ganz normalen, öffentlichen Landstraßen, die durch private Zufahrten und Wirtschaftswege des namensgebenden Gutshofs Råbelöv zu einem geschlossenen Rundkurs verbunden wurden. Die Strecke war circa fünf Kilometer nördlich von Kristianstad und etwa 100 Kilometer nordöstlich von Malmö entfernt. Kristianstad, ein Ort in der Provinz Skåne, lag mitten auf dem Land im südöstlichen Teil Schwedens. Ab 1951 wurden auf der „Råbelövsbanan“ zahlreiche Rennen veranstaltet, die schnell internationale Bedeutung erlangten.

Für den 1956er Sveriges Grand Prix, „Råbelövsbanan“, Kristianstad, hatte die Scuderia aus Maranello Wolfgang von Trips offiziell als zweiten Fahrer neben Peter Collins im 12-Zylinder-290MM (Hubraum 3.5 Liter, 320 PS) gemeldet. Ferrari brachte vier weitere Modelle dieses Wagens nach Schweden. Sie wurden von Phil Hill, Maurice Trintignant, Olivier Gendebien und Robert Manzon gefahren. Juan Manuel Fangio, Alfonso de Portago, Mike Hawthorn, Duncan Hamilton und Eugenio Castellotti sollten in den 4-Zylinder-Modellen vom Typ 860 starten.

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Wie bei den Rennen zuvor, stand auch beim Großen Preis von Schweden der Zweikampf zwischen der Scuderia Ferrari und dem Maserati-Team im Mittelpunkt. Für die Modeneser Marke mit dem „Dreizack“ gingen Luigi Villoresi, Umberto Maglioli, Stirling Moss, Jean Behra, Paco Godia, Joakim Bonnier, Andrè Simon, Piero Taruffi, Harry Schell und der Schweizer Benoit Musy mit dem 300S an den Start. Der Reihen-Sechszylinder hatte drei Liter Hubraum und leistete rund 260 PS.

Nur Ferrari und Maserati konnten das Sportwagen-Championat 1956 noch gewinnen. In Italien war sogar ein Industriepreis von 50 Millionen Lire (damals etwa 350 000 Mark!) für den Rennstall ausgesetzt worden, der sich in Schweden die entscheidenden Weltmeisterschaftspunkte Punkte holen würde.

Lediglich Außenseiter-Chancen – zumindest auf den Tagessieg – räumten die Fachleute dem schottischen Rennstall „Ecurie Ecosse“ ein, die Desmond Titterington/Ron Flockhart und Ninian Sanderson/ John Lawrence in den grünen Jaguar D-Types gemeldet hatte.

Ferrari hat schließlich das WM-Finale 1956 gewonnen, die drei ersten Plätze gehörten am Schluss den roten Wagen mit dem Cavallino Rampante“ im Wappen. Maserati erwischte einen schwarzen Tag: von den fünf Werkswagen kam nicht einer ins Ziel! Der erste 300S ging schon nach Runde eins verloren, als nämlich Flockharts Jaguar, offenbar wegen blockierender Bremse, vor einer Spitzkehre den Wagen seines Teamgefährten Taruffi rammte und aus der Bahn schob. Taruffi blieb unverletzt. Obwohl die vier anderen Maserati das Tempo der führenden Ferrari vorerst noch halten konnten, kam es später zum totalen Debakel für die 300S – sie fielen durch technische Defekte aus.

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Von den fünf Ferrari-Werkswagen blieben zwei auf der Strecke. Einer musste nicht wegen Maschinenschadens aufgeben, sondern wegen eines Ausflugs in ein nahegelegenes Weizenfeld. Diese Abstecher ins Ackerland“ standen an diesem Rennsonntag auf der Tagesordnung: Berichterstatter schrieben, dass nur ein kleiner Teil aller gestarteten Fahrer nicht wenigstens einmal im Feld oder in einem der Notausgänge war, die sich an den beiden Spitzkehren befanden. Der andere Ferrari, der mit technischem Defekt ausfiel, war der von Castellotti/Fangio – nach zwei Dritteln der Renndistanz klar in Führung liegend.

Ferrari holte sich den zweiten Fünffachsieg der Saison und den überlegenen Erfolg in der Gesamtwertung der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Drei Werkswagen mit Phil Hill/Maurice Trintignant, Peter Collins/Graf Trips und Mike Hawthorn, Alfonso de Portago und Duncan Hamilton lagen am Schluss vorn. Von den 27 Startern erreichten nur 14 das Ziel.

Richard von Frankenberg, Rennfahrer und Journalist, schrieb in einem Bericht in der MOTOR REVUE über dieses Rennen: Graf Trips fuhr den 3,5-Liter-Zwolfzylinder völlig überzeugend. Der deutsche Nachwuchsfahrer saß mehr als zwei Drittel der gesamten Renndistanz von 153 Runden am Steuer. Trips kann mit dem Resultat – Zweiter im Gesamtklassement nach 1000 Kilometern nur 45 Sekunden hinter den Siegern Phil Hill und Maurice Trintignant – sehr zufrieden sein.“ Trips sagte nach dem Rennen:Die physische Anstrengung auf diese lange Distanz in so einem großen Wagen ist für mich noch ungewohnt und stark spürbar gewesen. Ich musste mit meinem Wagen von Anfang an bis zum Ende an jeder Ecke voll auf die Bremsen gehen, ohne dass diese in den 1000 Kilometern nachgelassen hätten. Allerdings war ein unerhört starker Pedaldruck dafür nötig. Kristianstad ist ein ausgesprochener Bremsenkurs.“

Text: Jörg-Thomas Födisch
Fotos: Cahier-Archiv, Trips-Stiftung, Dr. Benno Müller