Oldtimer GP 2026

BELMOT Oldtimer-Grand-Prix 2026

Oldtimer GP 2026
Ferrari Dino 246

Die Traditions-Veranstaltung hat historische Renntechnik über neun Jahrzehnte hinweg auf die Strecke gebracht. Zwischen Ferrari Dino 246 F1, Lotus 18 und Porsche 550 B RSK, den Rennwagen, die mit der Erinnerung an Wolfgang Graf Berghe von Trips verbunden sind, und modernen historischen Rennformaten wurde deutlich, warum der Oldtimer-Grand-Prix mehr ist als eine Ansammlung schöner Automobile. Er ist ein fahrendes Archiv des technischen Fortschritts. 

Der Eifelkurs besitzt die Fähigkeit, Vergangenheit nicht museal wirken zu lassen. Auf dem Grand-Prix-Kurs wird Geschichte wieder zu einer Frage von Linienwahl, Bremsweg und mechanischem Grip. Der Oldtimer-Grand-Prix zeigte nicht lediglich historische Fahrzeuge, sondern technische Entwicklungsstufen, die sich unmittelbar miteinander vergleichen lassen. Frontmotor-Grand-Prix-Wagen der frühen Formel-1-Jahre trafen auf Heckmotor-Konstruktionen, klassische GT- und Sportwagen auf Tourenwagen der 1980er- und 1990er-Jahre, dazu kamen jüngere Prototypen und moderne Rennsporttechnik. 

Im Zentrum dieser Zeitreise steht gleichfalls die Erinnerung an Wolfgang Graf Berghe von Trips. Sein Name lebt im Graf-Berghe-von-Trips-Pokal weiter und verbindet die Veranstaltung mit einer Epoche, in der Rennfahrer noch unmittelbar Teil der technischen Entwicklung ihrer Fahrzeuge waren. Von Trips fuhr unter anderem den Ferrari Dino 246 F1; seine Motorsportgeschichte ist zudem eng mit Porsche-Sportwagen und der Formel-1-Ära der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre verbunden. 

Oldtimer GP 2026
Porsche 550 RSK

Der Reiz des Festivals liegt dabei gerade in den konstruktiven Gegensätzen. Ein Ferrari Dino 246 F1 steht für eine Zeit, in der Motorleistung, Fahrwerksabstimmung und aerodynamische Effizienz noch weitgehend ohne die heute selbstverständliche elektronische Unterstützung zusammengebracht werden mussten. Der Lotus 18 markiert in der Formel-1-Entwicklung den frühen Schritt zur Mittelmotorarchitektur, während der Porsche 550 B RSK für die konsequente Verbindung von geringem Gewicht, kompakter Bauweise und hoher mechanischer Effizienz steht. Damit lässt sich am Nürburgring nachvollziehen, wie stark sich das Verhältnis zwischen Masse, Leistung, Fahrwerk und Fahrer über wenige Jahrzehnte verändert hat. 

Noch deutlicher wurde diese technische Entwicklung in der HGPCA. Mehr als 50 historische Grand-Prix-Fahrzeuge zeichneten den Übergang vom Front- zum Heckmotor nach. Solche Felder sind technisch besonders aufschlussreich, weil sie nicht nur unterschiedliche Karosserien zeigen, sondern unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Rennwagen funktionieren muss. Parallel dazu rückte der Oldtimer-Grand-Prix die Tourenwagen der Goldenen Ära in den Mittelpunkt. Das Super Touring Revival knüpfte an die Premiere des Vorjahres an und brachte Fahrzeuge zurück, deren technische Komplexität bereits deutlich näher an der modernen Renntechnik lag. Uwe Alzen nutzte den Auftritt zugleich für sein Comeback nach fast vierjähriger Rennpause und gewann im Opel Vectra STW von 1998 den ersten Lauf. Damit wurde aus Historie wieder Wettbewerb. Genau diese Mischung macht das Format glaubwürdig. 

Eine ähnliche Brücke schlug die Formula Heritage. Sie macht sichtbar, wie sich Monoposti hinsichtlich Packaging, Fahrwerk, Aerodynamik und Antriebskonzept verändert haben. Zu den angekündigten Fahrzeugen gehörte auch der Embassy Hill GH1/3, den Alan Jones 1975 beim Großen Preis von Deutschland fuhr. Die Veranstaltung erweitert damit den Begriff des historischen Motorsports: Nicht nur die berühmtesten Rennwagen zählen, sondern auch jene technischen Zwischenstufen, aus denen spätere Entwicklungen entstanden. 

Oldtimer GP 2026

Einen anderen Blick auf die Evolution bot die Premiere der Interwetten Sports Cars Challenge. Leistungsstarke Sportwagen trafen hier auf ein Rennformat, das stärker an die heutige Performance-Kultur erinnert. Christian Klien gewann beide Läufe im PRC WPR66. Beim Class One Revival wiederum trafen Rennsportikonen der jüngeren Vergangenheit aufeinander; zu den auffälligen Fahrzeugen gehörte der BMW M3 GT2 des Siegers der 24 Stunden vom Nürburgring 2010. Besonders atmosphärisch blieb das Abendrennen der zweisitzigen Rennwagen und GT bis 1965. Wenn offene Sportwagen und historische GT in der Dämmerung über den Nürburgring fahren, wird der zeitliche Abstand zu ihrer ursprünglichen Rennära beinahe aufgehoben. 

Auch die Vintage Sports Car Trophy setzte einen bewussten Kontrapunkt zur jüngeren Rennsportgeschichte. Vorkriegsrennwagen wie der Mercedes-Benz 680 S, mit dem Rudolf Caracciola 1927 das Eröffnungsrennen des Nürburgrings gewann, machten deutlich, wie weit der technische Bogen des Festivals reicht. Ergänzt wurde das Programm durch eine Bugatti-Ausstellung und historische Motorräder. 

43.000 Zuschauer zeigen, dass historischer Motorsport Zukunft besitzt. Der Oldtimer-Grand-Prix 2026 verbindet automobile Erinnerung mit fahrender Technik und macht daraus ein Format, das auch für die Gegenwart relevant bleibt. Die Verlängerung der BELMOT-Namenspartnerschaft bis 2029 schafft dafür einen langfristigen Rahmen. Für 2027 ist der 54. Oldtimer-Grand-Prix bereits vom 13. bis 15. August terminiert. Der Nürburgring steht dann vor seinem 100-jährigen Jubiläum – und damit vor einer historischen Gelegenheit, die eigene Rennsportgeschichte nicht nur zu erzählen, sondern erneut auf vier Rädern erfahrbar zu machen.

Fotos/Text: Rainer Roßbach