
Rund zwei Jahre nach seinem Debüt als Porsche-Privatfahrer sorgte Wolfgang Graf Berghe von Trips für Schlagzeilen: Er sollte für Enzo Ferrari am 24. Juni 1956 beim Gran Premio Supercortemaggiore, dem 1000-Kilometer-Rennen von Monza, mit einem 500 Mondial Scaglietti starten – sein erster offizieller Werkseinsatz für die Scuderia aus Maranello.
Vorausgegangen waren zwei eindrucksvolle Klassensiege von Trips auf Porsche in der Sportwagen-Weltmeisterschaft dieses Jahres: Beim 12-Stunden-Rennen von Sebring (Florida, USA) gewann er zusammen mit Hans Herrmann die 1.5-Liter-Kategorie, im 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring holte er sich mit dem Italiener Umberto Maglioli den Klassensieg bis 1500 ccm. In beiden Rennen überzeugte Trips mit seinen Co-Piloten: sie konnten mit ihrem leistungsschwächeren 130-PS-Porsche Spyder den meisten stärkeren Wagen Paroli bieten und hervorragende Plätze im Gesamtklassement belegen.

Das fiel auch dem damaligen Ferrari-Rennleiter Eraldo Sculati auf, derden „Commendatore“ über den jungen deutschen Piloten informierte. Wenige Tage nach dem Rennen auf dem Nürburgring sagte Trips: „Ferrari hat mir auf seinem Rennsportwagen einen Start beim Supercortemaggiore in Monza angeboten.“
Der Gran Premio Supercortemaggiore wurde von der staatlichen italienischen Lotterie-Gesellschaft veranstaltet, finanziert vom italienischen Mineralölkonzern Agip-BP und benannt nach dessen großer Raffinerie in Cortemaggiore, einer Gemeinde in der Provinz Piacenza in der Emilia-Romagna. 1956 hatte der Veranstalter das Langstreckenrennen im Autodromo Nazionale di Monza für Sportwagen bis maximal 2000 ccm Hubraum ausgeschrieben, der Lauf wurde aber auch für die Klasse bis 1.5 Liter Hubraum gewertet.

Ferrari vertraute auf die 2-Liter-Sportwagen 500TR/500 Mondial und hatte fast alle Topfahrer für Monza verpflichtet. Die ursprünglichen Teams bestanden aus Juan Manuel Fangio/Eugenio Castellotti, Peter Collins/Phil Hill, Olivier Gendebien/Alfonso de Portago, dazu die beiden Deutschen Wolfgang von Trips/Hans Herrmann. Nach dem Training stellte Ferrari seine Mannschaft um: Hill und Herrmann ersetzte Rennleiter Sculati durch Mike Hawthorn, nun mit Peter Collins gemeldet, Harry Schell sollte zusammen mit Wolfgang von Trips fahren.

Die Werksmannschaft von Maserati bot sechs Wagen vom Typ 200S und 150S auf. Überraschend der Auftritt des ostdeutschen Staatlichen Rennkollektivs AWE in Monza. Der Supercortemaggiore war eine der wenigen internationalen Rennveranstaltungen, an denen sich der DDR-Rennstall beteiligte. Zwei AWE 1500RS wurden für Edgar Barth, Arthur Rosenhammer, Paul Thiel und Egon Binner gemeldet. Die gemeldete Teilnehmerzahl umfasste 28 verschiedene Maserati, 15 Ferrari, diverse OSCA, private Porsche, Lotus, AWE und Gordini. Insgesamt starteten 41 Wagen, 27 in der Klasse bis 2000 ccm und 14 bis 1.5 Liter.

Das Rennen wurde zum erwarteten Zweikampf zwischen den Werkswagen von Ferrari und Maserati. Kurz nach Rennbeginn war das geplante Trips’sche Ferrari-Debüt hinfällig: Co-Pilot Harry Schell, der die ersten Turns fahren sollte, schied bereits in der zweiten Runde mit einem Getriebeschaden aus. Trips kam nicht mehr zum Einsatz und war zum Zuschauen verdammt. Trotzdem hatten seine guten Trainingszeiten im Ferrari-Team überzeugt, denn eine Woche nach dem Supercortemaggiore bekam er aus Maranello die Nachricht, dass er am 12. August beim Großen Preis von Schweden in Kristianstad für die Scuderia fahren sollte.

Der 56er-Supercortemaggiore endete mit dem Start-Ziel-Sieg von Peter Collins/Mike Hawthorn (Ferrari 500 TR Touring) nach einer Fahrzeit von 5:07:13,900 Stunden. Stirling Moss/Cesare Perdisa Maserati 200S) belegten den zweiten Platz, Juan Manuel Fangio/Eugenio Castellotti (Ferrari 500 TR Touring) wurden Dritter.
Renndaten
- Gemeldet: 66
- Gestartet: 41
- Gewertet: 20
- Rennklassen: 2
- Wetter am Renntag: sonnig und warm
- Streckenlänge: 10,000 km
- Fahrzeit des Siegerteams: 5:07:13,900 Stunden
- Gesamtrunden des Siegerteams: 100
- Gesamtdistanz des Siegerteams: 1000,204 km
- Siegerschnitt: 195,293 km/h
- Pole Position: Stirling Moss – Maserati 200S (#1) – 2:59.400
- Schnellste Rennrunde: Peter Collins – Ferrari 500TR (#64) – 2:58.400 – 201,793 km/h
Jörg-Thomas Födisch/Fotos Cahier Archiv